Das Gespräch in der Krippe

Um es vorweg zu nehmen, wir haben Glück gehabt, dass wir den Platz “ trotz “ des DS bekommen haben – Junior ist das erste Kind mit Handicap dort, er ist in einer kleinen privaten Einrichtung, mit maximal 15 Kindern, verteilt auf 2 Gruppen mit 4 festen Erzieherinnen und einer Hilfe plus immer mal wieder PraktikantInnen, Schülern etc….. es gibt eine klare und recht feste Struktur, zwischen halb 8 und halb 9 kommen die Kids und bleiben alle in den unteren Räumen, halb 9 Frühstück jeweils in den Gruppen, halb 10 Stuhl- und Singkreis, danach Spielplatz ( alle gemeinsam ), halb 12 Mittag ( tgl. frisch und selbst gekocht ) danach gehts schlafen, 14 Uhr dann wieder aufstehen und Snacken, um 15 Uhr werden die ersten Kids abgeholt, die “ länger Kinder “ von oben gehen runter und warten spielend auf die Eltern. Die Zeit von 15-16 Uhr deckt fast immer die gleiche Erzieherin ab, die auch morgens mit auf dem Spielplatz ist…. Freitags gehts nicht auf den Spielplatz, sondern ins Altenstift am Ort und dort wird der Stuhlkreis zusammen mit den Bewohnern durchgeführt!

Jetzt im Sommer waren die Kids nur zum Schlafen getrennt, weil der tolle Garten und die große Terasse das eigentliche Spielzimmer war!

Junior ist in der oberen Gruppe, kennt aber natürlich die unteren Kids und Erzieherinnen ( eine ist neu, aber für alle Kids ) und um es wirklich deutlich zu sagen, Junior fühlt sich wohl, kommt mit allen Kindern gut klar, geht im Singkreis mit und ab…. er wird akzeptiert wie er ist, die großen Kids kümmern sich um ihn, passen auf ihn auf, aber er wird einfach zu sehr behütet, betätschelt und verwöhnt…… es bringt ihn nicht weiter, in einem Jahr gehts in den Kindergarten und da sollte er zumindest gut allein Essen und Trinken können, es bringt ihn auch nicht weiter, wenn er es zu Hause machen muss ( weil er es kann ) und in der Krippe nicht machen braucht!

Vor den Sommerferien gab es für uns einige Situationen, die wir als suboptimal bezeichnen, im Wesentlichen ging es darum, dass Junior nicht machen durfte, was er kann……. u.a. bekam er sein Brot gefüttert, er bekam seinen Becher gehalten, sie lobten ihn in den Klee und erzählten uns, dass er doch gar nicht so viele Unterschiede hat zu den anderen Kindern 😉 ……

Ich setzte mich nach dem einem Gespräch im April ein Wochenende hin und legte einen Ordner an, mit Infos zum DS und den darausfolgenden Herausforderungen im Alltag, mit ner kurzen Erklärung zur Schilddrüsenunterfunktion und dem Vitamin D Mangel, listete auf, was Junior allein kann, was er mit Unterstützung kann und was er nicht kann….. kopierte die Gebärden, die er praktizierte und schrieb noch dazu, wenn und welche “ Worte “ er dazu benutzt…….

Und dann warteten wir mal ab…. Ob Junior selber gegessen hat, merkten wir einfach an der Qualität der Bewegung, dass er nicht selber trank daran, dass er natürlich auch zu Hause versucht hat, sich da durch zu mogeln…… ebenso sprachen uns die Therapeuten darauf an….. es folgte noch ein Gespräch, in dem wir ein Pendelheft vereinbarten, wo kurz und prägnant drin steht, wie der Tag war, was geklappt hat und was nicht…… ging genau 2 Wochen richtig gut, dann gab es nur noch Infos, ob gegessen, ob Stuhlgang, ob geschlafen….. alle weiteren Versuche unsererseits, Junior doch bitte mehr in seiner Selbständigkeit zu fördern blieben erfolglos…… eine Integrationshilfe, die unterstützend helfen könnte, wurde kategorisch als nicht notwendig abgelehnt……

Dann kam vor den Ferien die OP, die Brille, viel Druck und Stress von Arbeit aus, so dass wir es laufen ließen, laufen lassen mussten, da irgendwie die Zeit, die Nerven und dadurch dann wohl auch die nötige Sachlichkeit gefehlt haben, auch, weil wir einfach Über Urlaubsreif waren…… Das Gespräch stand zeitnah nach den Ferien für uns auf dem Plan! In der Zeit vor den Ferien gab es Gespräche mit der Nachmittags Erzieherin – die haben sich einfach ergeben und dauerten auch nicht lange, sie bemühte sich sehr um Informationen, fragte uns nach den Gebärden, die Junior macht und sorgte dafür, dass er bei ihr “ machen musste “ es entsstand bei uns der Wunsch, dass Junior nach den Ferien fest in ihre Gruppe wechseln würde….. das wurde intern allerdings abgelehnt! Nachdem es kurz vor den Ferien noch zwei suboptimale Situationen mit der einen Erzieherin gab, stand für uns fest, dass wir einen Kompromiss finden müssen……

Mit der Terminierung des Gespräches begann das Bauchweh, selten haben wir uns so intensiv auf ein Gespräch vorbereitet, stattgefundene Gespräche noch mal Revue passieren lassen, im Netz geschaut, wie wir die Ikraft “ schmackhaft “ machen können…… suboptimale Situationen ( die nur Junior betrafen ) mal aufgeschrieben und, und, und……. Die Chefin weitete das von uns initierte Feedbackgespräch auf das ganze Team aus ( bis auf die neue Erzieherin ) und so saßen wir dann 1 Stunde und 12 Minuten zusammen…… es war emotional, aber nicht laut, drohte zweimal zu kippen, es war nicht einfach, den Fokus auf Junior liegen zu lassen und keine grundsätzlichen Diskussionen über Konzepte etc. zu führen….. bis klar war, dass wir nicht pauschal kritisieren wollen, sondern es darum geht, dass sich Junior entwickeln darf, das Unterstützung / Anleitung wichtig und gut ist, aber Übernahme nicht gut ist für ihn…… puh……

Wortwechsel Beispiel: wo seht Ihr denn Juniores gibt nicht viele Unterschiede zu den anderen Kindernwas sind denn die Dinge, die jetzt anstehen, die er lernen / können sollteja Laufen wäre gut, selber Essen und Trinken und sprechen tut er ja fast noch gar nicht ……. da musste ich mir das Lachen dann doch verkneifen 😉

Aber sie haben auch festgestellt, dass sich Junior in den 3 Wochen Urlaub enorm entwickelt hat ( ein Update kommt die Tage seperat ) …… das tat uns natürlich richtig gut……

Im Ergebnis kommt Junior jetzt fest nach unten in die Gruppe, Morgens und Nachmittags wird er jetzt zum selber Essen angehalten, Mittags beginnen sie, ihn an das Essen mit dem Löffel zu führen, und sie freuen sich dabei auf Unterstützung durch eine Ikraft 🙂 🙂 🙂 …… sie machen sich Gedanken, wobei sie die Ikraft unterstützen kann……

Wir stellen paralell einen formlosen Antrag auf eine Integrationshilfe, werden diesen dann individuell begründen, warten auf die Einladung zur Begutachtung beim Amtsarzt und sind dann mal gespannt, wieviele Wochenstunden Junior zugesprochen / bewilligt bekommt. Wenn das alles durch ist, kommt die schwierige Suche nach einer IKraft, optimal wäre, wenn sie im nächsten Jahr mit in den KiGa wechseln kann, dann hat Junior ne feste Bezugsperson für die nächsten 4 Jahre…… der Wunsch KiGa nimmt Junior im Übrigen nur mit Ikraft, die freuen sich auf den Input von aussen und auf die Unterstützung!

Das Gespräch war richtig gut, mit dem Ergebnis sind wir sehr zufrieden, wenn die Umsetzung jetzt noch gut klappt, dann wird Junior ein tolles Krippenjahr haben und sicher ganz viel Neues lernen 🙂 Wir für uns haben jetzt “ beschlossen „, keine grundlegenden Gespräche in der Krippe mehr so nebenbei laufen zu lassen, wir werden, wenn etwas ansteht, Termine ausmachen….

So jetzt gehen wir auf einen Flohmarkt und heute abend kommt unsere Babysitter Perle und wir haben Paar Zeit 🙂 – Euch allen einen harmonischen Sonntag und einen stressfreien Wochenbeginn!

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